Optisch ist Mercedes beim CLA ein durchaus überzeugender Spagat gelungen: Trotz seines ökologischen Anspruchs wirkt er weder besonders nüchtern noch betont futuristisch. Stattdessen entwickelt die neue Generation das bekannte Design konsequent weiter. Die nach hinten abfallende Dachlinie verleiht dem Shooting Brake eine dynamische Silhouette, die Eleganz und Sportlichkeit verbindet. Bei Dunkelheit setzt Mercedes zusätzliche Akzente: Beleuchtete Sterne im Kühlergrill und in den Leuchten sowie Lichtprojektionen auf dem Boden sorgen für einen auffälligen Auftritt.

Durchdigitalisiertes Cockpit, Qualität zwiespältig
Im Cockpit übernimmt die Technik das Kommando. Eine breite Anordnung mehrerer Displays prägt den Innenraum und erinnert an die Instrumentierung eines Flugzeugs. Das Infotainmentsystem gehört zu den Stärken des Mercedes: Es lässt sich überraschend unkompliziert bedienen, die Sprachsteuerung arbeitet überzeugend und auch die Online-Funktionen geben kaum Anlass zur Kritik. Selbst der Beifahrer kommt auf seine Kosten und kann über einen eigenen Bildschirm Streamingdienste nutzen, ohne den Fahrer abzulenken. Der futuristische Anspruch geht allerdings zulasten der Atmosphäre. Das Interieur wirkt stellenweise steril, während die Materialqualität nicht überall mit dem Premiumanspruch mithält. Oben und an den Türen überzeugt die Haptik, weiter unten dominieren wenig edle Kunststoffoberflächen.
Auch beim Raumangebot fordert die coupéhafte Linienführung ihren Tribut. Der CLA bietet zwar ausreichend Platz, vermittelt aber nicht die Grosszügigkeit, die man von einem klassischen Kombi erwartet. Fahrer und Passagiere sitzen ergonomisch gut, müssen sich jedoch mit eher knapp bemessenen Platzverhältnissen arrangieren. Für ein offenes Raumgefühl sorgt vor allem das grosse Panoramadach. Der Gepäckraum erscheint angesichts der Fahrzeugklasse zunächst wenig beeindruckend, überrascht in der Praxis aber mit seiner Tiefe und nimmt durchaus mehr auf, als die Zahlen vermuten lassen.

Mässiger Sportsgeist, aber maximale Effizienz
Der Allradantrieb verleiht dem CLA 350 einen kräftigen Antritt, und auch bei höherem Autobahntempo fehlt es ihm nicht an Durchzug. Die Fahrfreude beschränkt sich allerdings weitgehend auf die Beschleunigung. Zwar lenkt der Mercedes präzise ein, doch das eher komfortabel abgestimmte Fahrwerk und die rollwiderstandsoptimierten Reifen setzen sportlichen Ambitionen Grenzen. Letztere machen sich bei engagierter Kurvenfahrt mit lautstarkem Quietschen bemerkbar. Der frühere Verbrenner-CLA wirkte sportlicher. Zügig und dynamisch lässt sich auch die neue Generation bewegen, doch wer es auf kurvigen Strassen richtig krachen lassen möchte, dürfte sich mehr Rückmeldung, Straffheit und Grip wünschen.
Seine wahre Stärke spielt der CLA in Sachen Effizienz aus. Im Test begnügte sich der Stromer mit gerade einmal 14,9 kWh/100 km und lag damit trotz zügiger Fahrten praktisch auf WLTP-Niveau. Bei konsequent sparsamer Fahrweise sind sogar weniger als 10 kWh/100 km möglich. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern macht den CLA Shooting Brake zu einem der sparsamsten Elektroautos überhaupt und zum Effizienzprimus seiner Klasse. Auch beim Laden überzeugt der Mercedes. Die Ladeleistung verbleibt über längere Zeit auf hohem Niveau. Ein Ladehub von 10 auf 80 Prozent in rund 20 Minuten scheint realistisch. Dank des geringen Verbrauchs sind häufige Ladestopps ohnehin kein Thema: Im Test wurden rund 575 Kilometer Reichweite erzielt. Wer vorausschauend fährt, kann sogar die 600-Kilometer-Marke knacken. Viele Elektroautos versprechen hohe Reichweiten bei niedrigem Verbrauch, doch der CLA liefert tatsächlich.

Teuer, aber sein Geld wert
Natürlich hält Mercedes an seiner Preispolitik fest; das Beste oder Nichts gibt es bei Daimler nicht zum Schleuderpreis. 81’350 Franken kostet das Auto wie abgebildet, was den CLA für seine Klasse zu einem teuren Vertreter macht. Aber das Auto ist als Konzept dermassen stimmig, dass der Preis mehrheitlich gerechtfertigt ist. Zudem wird der CLA komplett in Deutschland entwickelt und gebaut, das darf man ebenfalls würdigen und sich auch etwas kosten lassen. Mit dem CLA zeigt Mercedes in einer schwierigen Zeit, dass Made in Germany eben doch noch etwas kann.









