2025 Abarth 600e

Abarth 600e Scorpionissima: Viel Freude von kurzer Dauer

Technisch ist der Abarth 600e Scorpionissima kein Elektroauto, das mit besonderen Innovationen glänzt. Dafür spricht er eine interessante Zielgruppe an: Autofans, die auch elektrisch nicht auf sportlichen Fahrspass verzichten wollen, ohne dafür gleich ein Vermögen auszugeben. Dass der 600e auffallen möchte, ist ihm schon von weitem anzusehen. Vom knuffigen Fiat 600 bleibt angesichts der aggressiven Front, der ausgestellten Kotflügel und des grossen Dachkantenspoilers wenig übrig. Schwarze Details und die schicken 20-Zöller tun ihr Übriges. Mit der auffälligen Lackierung unseres Testwagens wird der Abarth endgültig zum Hingucker. Lediglich der kleine Skorpion mit Blitz auf dem Kotflügel verrät, dass hier kein Verbrenner unter der Haube arbeitet.

Race-Sitze, aber viel Plastik

Im Cockpit sind die Sabelt-Schalensitze der unbestrittene Star. Die offene Rückenlehne, der massive Seitenhalt und die straffe Polsterung wirken beinahe so, als wären die Sitze aus einem deutlich teureren Sportwagen entnommen worden. Dazu kommt hochwertiger Mikrofaserstoff. Man sitzt also nicht nur gut, sondern auch ziemlich cool. Erfreulich ist zudem die Sitzposition: Trotz SUV-Format fühlt man sich gut ins Auto integriert und sitzt nicht wie auf einem Hochsitz.

Der Rest des Innenraums kann dieses Niveau leider nicht halten. «Mind the Scorpion» auf dem Armaturenbrett ist zwar ein nettes Detail, ansonsten regiert viel harter Kunststoff. Die Haptik fällt entsprechend ernüchternd aus, während die Verarbeitung immerhin keinen Grund zur Klage gibt. Ein wenig mehr Materialqualität und Liebe zum Detail hätte dem Abarth allerdings gutgetan. Und auch wer auf der Rückbank Platz nimmt, dürfte wenig begeistert sein. Dort geht es ziemlich eng zu, während der Kofferraum ebenfalls nicht gerade mit Transporttalent glänzt.

2025 Abarth 600e

Der Hot Hatch, den alle sich wünschen

Beim Fahrgefühl macht der Abarth keine halben Sachen. 20-Zöller, kurzer Radstand und ein straffes, nicht adaptives Fahrwerk machen ihn ausgesprochen unkomfortabel. Unebenheiten werden ungefiltert weitergereicht, auf schlechten Strassen rumpelt und hoppelt der Italiener munter vor sich hin. Wer Komfort sucht, sollte einen weiten Bogen um ihn machen. Wer dagegen einen kompromisslosen Elektro-Hot-Hatch sucht, dürfte seine helle Freude haben: hart, giftig und extrem direkt. Kein Wanken, kaum Seitenneigung, agiles Einlenken und eine spontane Gasannahme.

Die vollen 206 kW gibt es allerdings nur im Modus Scorpion Track. Dann heisst es Kickdown und der Abarth schiesst los. Anders als beim etwas schwachbrüstigen 500e stimmt hier auch die Leistungsentfaltung: explosiv und mit erstaunlich konstantem Durchzug. 206 kW sind für einen Hot Hatch zwar kein gewaltiger Wert, doch das hohe Drehmoment, der bissige Antrieb und das mit 1625 Kilo vergleichsweise geringe Gewicht lassen die Leistung deutlich stärker wirken, als die nackten Zahlen vermuten lassen.

Seine grösste Stärke liegt allerdings nicht beim Antrieb, sondern beim Handling. Der Abarth zieht durch Kurven, als wäre die Ideallinie auf den Asphalt gemalt. Das mechanische Sperrdifferenzial an der Vorderachse hilft dabei kräftig mit und sorgt dafür, dass das enorme Drehmoment tatsächlich auf die Strasse gelangt. Besonders clever ist zudem die Bremsabstimmung im Scorpion Track: Die Rekuperation wird beim Bremsen komplett umgangen. Das kostet zwar Effizienz, beschert dafür aber ein wunderbar konstantes Pedalgefühl mit sattem Gegendruck. Genau so muss sich ein sportlicher Abarth anfühlen.

2025 Abarth 600e

Die Enttäuschung der Reichweite

Der Spass hat allerdings einen enormen Haken: Wer den Abarth artgerecht bewegt, landet schnell bei rund 28 kWh/100 km Durchschnittsverbrauch. Für ein kompaktes Auto ist das happig, zumal der Akku nur etwa 50 kWh fasst. Realistisch bleiben damit rund 180 Kilometer Reichweite, bei sportlicher Fahrweise und ohne den Akku bis auf null zu quälen etwa 150 Kilometer. Die 100 kW Ladeleistung machen den 600e ausserdem nicht gerade zum Schnelllader.

Trotzdem gebührt den Italienern Respekt: Aus einem Elektro-SUV haben sie einen erstaunlich fahraktiven E-Racer gezaubert. Mit 47’400 Franken ist der 600e zudem nur rund 3000 Franken teurer als der deutlich kleinere 500e und damit überraschend fair eingepreist. Leider macht die geringe Reichweite den Abarth zum Spassgerät für die Hausstrecke, während längere Fahrten schnell zur Expedition werden. Schade, denn das fahrdynamische Potenzial wäre gewaltig.