2025 Ford Capri

Ford Capri: Underdog

Der Ford Capri fristet zu Unrecht ein Nischendasein auf Schweizer Strassen. Dass der Capri von der Karosserieform nicht mehr das ist, was er mal war, dürfte nicht der Grund dafür sein – der Mustang Mach-E verkehrt immerhin häufig auf unseren Strassen. Im Gegensatz zum elektrischen Hengst ist der Capri aber keine Eigenentwicklung von Ford, sondern basiert auf dem VW ID.5. Während man das ab des eigenständigen Designs niemals vermuten würde, so wird im Innenraum die Verwandtschaft zu Wolfsbrug bereits deutlicher.

Verwandtschaft zu VW ersichtlich

Im Interieur zeigen sich einige Parallelen zum VW-Konzern: Lenkradhebel, Fensterheber und Navistimme stammen aus Wolfsburg, die Kartendarstellung hingegen nicht. Ansonsten gibt sich der Capri angenehm eigenständig. Die Ergonomie überzeugt ebenso wie das grosszügige Platzangebot im Fond trotz der abfallenden Dachlinie. Das flüssig laufende Infotainment ist dank grosser Kacheln einfach zu bedienen und punktet mit einer gelungenen Sprachsteuerung. Praktisch: Der Touchscreen lässt sich neigen und verbirgt dahinter sogar ein Geheimfach. Der Kofferraum fällt SUV-Coupé-typisch aus, bietet für den Alltag aber ausreichend Platz.

Das zweifarbige Interieur sorgt zwar für einen hochwertigen Eindruck, dennoch setzt Ford im Innenraum viel Kunststoff ein. Die Verarbeitung ist gelungen, mit mehr Stoffelementen würde das Ambiente jedoch wohnlicher wirken, zumal die Bang & Olufsen Soundbar ohnehin Wohnzimmer-Flair vermittelt. Etwas mehr Seitenhalt der Sitze wäre ebenfalls wünschenswert, auch wenn sie bequem sind und sogar eine Massagefunktion bieten, wenn auch nur mit einem Programm.

Knackiges Handling

Technisch ist die Verwandtschaft zu VW eng: Plattform, Akku und Antrieb stammen direkt aus Wolfsburg. Als Topmotorisierung entspricht der Capri damit dem VW ID.5 GTX. Wie praktisch jedes moderne Elektroauto fährt sich auch der Ford angenehm leise und geschmeidig. Die Fahrmodi verändern den Charakter des Antriebs deutlich und reichen von fast schon lethargisch bis bissig. Der grösste Unterschied zum VW ist das nicht adaptive Fahrwerk, das im lebendig wirkenden Capri aber in jeder Situation passend wirkt

Ob das am traditionsreichen Namen liegt oder einfach daran, dass Ford Europe gerne straffere Fahrwerke abstimmt, sei dahingestellt. Fakt ist: Der Capri fährt sich angenehm knackig und sorgt durchaus für Fahrfreude. Er lenkt agil ein, bietet viel Grip in lang gezogenen Kurven und hält dank der straffen Grundabstimmung auch die Seitenneigung gut in Schach. Die Kraftverteilung ist ausgewogen, das Handling sehr neutral. Für ein SUV-Coupé fällt das Fahrwerk allerdings eher straff aus, weshalb vergleichbare Modelle teilweise sanfter und geschmeidiger abrollen.

Günstiger als VW

Der Testwagen in der hier gezeigten Vollausstattung kostet rund 60’000 Franken. Für ein SUV dieser Grösse, Leistung und Ausstattung ist das ein fairer Preis, zumal ein vergleichbar ausgestatteter VW ID.5 GTX rund 9’000 Franken mehr kostet. Im Alltag leistet sich der Capri kaum nennenswerte Schwächen: Er fährt sich angenehm, bietet viel Platz und überzeugt mit einer gelungenen Balance aus Komfort und Fahrdynamik. Die starke Konkurrenz und die zuletzt ausgedünnte Modellpalette dürften dazu beitragen, dass der Capri bislang eher unter dem Radar fliegt. Das ist schade, denn unabhängig von seinem traditionsreichen Namen ist er ein stimmiges Gesamtpaket und definitiv ein Modell, das Aufmerksamkeit verdient.